Um antike Stätten rankt sich natürlich, in wechselnder Erhaltenheit, ihre Geschichte. Um Kalkan herum gibt es 3 interessante Vertreter von Orten, die zumindest einen gewissen Einblick in die Antike geben:


Ich war zwischendurch nochmal da, weitere Bilder folgen, hatte einiges vergessen.

Letoon, Xanthos und Patara



Jede einzelne der Stätten wird mit wechselnder Betriebsamkeit von Archäologenteams beackert, wenn man an einem Tag über diese 3 Exemplare rüberhumpelt, bekommt man höchstens einen Überblick. Auszugsweise so:


Die beiden Säulen gehören zum Leto-Tempel, im Grunde warens 6 mal 11 Sälen, die finden gerade wieder zusammen, aber das dauert wohl noch etwas. Links daneben befindet sich der Tempel der Artemis, noch etwas weiter links der Apollon-Tempel. Also - was jeweils so davon übrig ist.


Hier also der Tempel der Leto, der diese gesamte Stadt und religiöses Zentrum des damaligen Lykiens (Land des Lichts) geweiht war:



Achso - ja.

WHO THE FUCK IS LETO?

Den farbenfrohen griechischen Legenden nach ist Leto die Tochter der Titanen Kios und Phiobe. Zeus, weiblichen Wesen multipel zugetan, verliebte sich in die "schönhaarige" Leto und hatte (das ging sehr schnell bei ihm) 2 Kinder mit ihr, namens Apollo und Artemis. Daher auch ein Apollotempel an dieser Stelle, kenntlich am ihm zuzuordnenden Bodenmosaik. Denn Apollo war zuständig für die Musik, konnte aber auch auf ungeahnte Distanzen sehr treffsichere Bogenschüsse abgeben. Das Runde in der Mitte soll ne Sonne darstellen... (ach???). Apoll war nämlich nicht nur der prächtigste Sohn des Zeus, sondern auch ein Seher. Konsequenterweise steht das Symbol der Sehergabe zwischen der Lyra und dem Bogen.




Es kam jedenfalls so, dass die schwangere Leto schleunigst fliehen musste, weil die Gattin des Zeus, Hera, kein näheres Interesse am Überleben des Nachwuchses von Nebenbuhlerinnen und Ebenselbigen hatte. Leto flüchtete sich also hierher, um ihre Kinder zur Welt zu bringen, schon damals scheint hier ein See gewesen zu sein, jedenfalls steht noch heute permanent ein Stadtteil unter Wasser (die "Portikusse"):





Doch wie es überliefert wird, verboten ein paar Bauern der schönen Leto, von dem Wasser zu trinken, "das ja allen gehört". Und das, obwohl sie wussten, dass eine schöne Frau bekanntermassen in der Lage ist, Männer in jedes beliebige Tier zu verwandeln Der Situation angepasst wurden alle Bauern der Stadt in Frösche verwandelt, und darauf gibt es noch heute Hinweise, von denen ich einen im "Brunnen" (27 m Durchmesser) gefunden und "festgehalten" habe:








Neben Tempeln gibt es auch im antiken Letoon eine "Entertainment-Area", geschmückt mit den Gesichtern berühmter Darsteller und Sänger.





Der Zustand könnte allerdings als ein Abgesang an die deutsche Fernsehlandschaft durchgehen, aber was nach einer gewissen Zeit mit einer Kultur passiert, der es zu gut geht, sieht man hier wie daheim ja an jedem Quadratzentimeter.

Xanthos



Selten wurde einer Stadt su übel mitgespielt wie dieser. Ein Zeugnis (nicht das Erste, es gab die Stadt wohl schon 1200 v.Chr.) der Existenz von Xanthos stammt aus einem Kriegsbericht, der von Herodot überliefert ist und auf das Jahr 545 v.Chr. zurückgeht. Ich zitiere Herodot (aus nem Lykien-Buch):

"Als die persische Armee trotz ihres Kommandanten zur Ebene von Xanthos hinunterkam, kämpfte das Volk von Xanthos gegen die nicht zu Ende gehenden Mächte; das Volk machte sich mit seiner Tapferkeit einen Namen, wurde jedoch besiegt, in die eigene Stadt zurückgedrängt. Sie brachten Frauen, Kinder, Schätze und Sklaven in die Festung. Sie steckten die Festung von unten und seitlich in Brand. So, dass das Feuer die Festung niederbrannte. Von nun an verbündete es sich mit schrecklichen Eidsprüchen und griff seinen Feind an, und jeder in Xanthos Lebende starb im Krieg."

Wobei ich mich frage, wer die Sache mit den "schrecklichen Eidsprüchen" überlieferte, wenn alle starben. Naja, wollen wir nicht spiessig sein. Es überlebten angeblich nur diejenigen, die Vieh auf den Hochweiden hüteten, diese gründeten Xanthos dann neu. Schon in den Jahren zwischen 475 und 450 v.Chr., also kaum hundert Jahre später, folgte eine Feuerkatastrophe, in den Ausgrabungen kenntlich an einer dicken Ascheschicht.
42 v. Chr. wollte Brutus von Xanthos mittels einer Besetzung Steuern und Soldatenkontingente einfordern. Wieder wurde gekämpft, wieder war die Situation aussichtslos, als die Xanthier anfingen, sich gegenseitig zu töten, und eine Frau mit ihrem Kind auf dem Arm ins Feuer sprang, wurde es Brutus zu bunt, und er setzte eine Belohnung auf jeden überlebenden Xanthier aus. Die eine Quelle sagt, "zu spät", die andere (ADAC-Reiseführer) behauptet, 150 Xanthier hätten überlebt.


Es gibt in Xanthos sogar ein Plateau für den schnellen Abgang, man nenne mir 3 weitere Städte, in denen es sowas gab (wär echt neugierig). In gewissen Städten sollte man so etwas wieder einführen, bei manchen erscheint einem ja bisweilen derartig Hopfen und Malz verloren...
Hier der Blick von der "Suicide-Area" in den Abgrund:



Keine Angst. Der Fluss ist weiter weg als man denkt.



Es gibt hier diverse Grabstätten aus diversen Jahrhunderten:







Ausserdem gab es in Xanthos ein ausgeklügeltes Wassersystem, mit einer zentralen Warmwasserbereitungsanlage. Das kam aber wohl etwas später dazu. Das Warmwasser wurde über mehrere hundert Meter zum Bestimmungsort geleitet, z.B. dem königlichen Swimmingpool.









Ein Blick ins Xanthostal:


Von hier aus gehts nach links zu einer Basilika aus byzantinischer Zeit, nach rechts zu einem Stadion (laut Touri-Führer), das auf mich aber mehr wiene Hauptstrasse wirkt. Am Fusse des kleinen Pfeilersteins an der Strassenecke ist ein kleines Brettspiel angebracht.







Ein Blick ins Kirchenschiff der grossen byzantinischen Basilika, gnadenlos gegen das Licht fotographiert, aber was hätt ich machen sollen. Weiter unten gibts noch ne Kleinere.


Am Rand erkennt man gut die eingebauten Säulen, die wohl anderstwo "ausgeliehen" wurden, um diese wunderschöne Basilika zu errichten. Das Christentum hat nunmal überall seine "kunstruktiven Spuren" hinterlassen. Bodenmosaike der Basilika:



Tja, auch hier gibts ein Theater. Die Xanthier hatten allerdings eine Vorliebe für "Reality-V". Stand im Drehbuch, dass ein Haus abbrennen sollte, wurde genau dieses im Amphiteater auch durchgezogen. Sollte ein zum Tode Verurteilter hingerichtet werden, bleibt es Eurer Vorstellung überlassen, was passierte. Dies war aber zu römischer Zeit, das Theater gabs in der lykischen Epoche nicht.
Die Folgende Einstellung ist so ungefähr das, was mancher in seinen letzten Sekunden gesehen hat. Ergänzt einfach eine jubelnde oder sonstwie beschäftigte Masse und ein kleines "Stone-Restore":


Das ganze aus Sicht des geneigten Publikums:



Die Bühne mal quer, im Hintergrund das Harpyenmonument und der lykische Sarkophag:



Der Sarkophag liegt in so luftiger Höhe, weil dies den Übergang ins Jenseits erleichtern sollte. Harpyen (Wesen halb Frau, halb Vogel) begleiteten die Seele des Verstorbenen hinüber, das 8 meter hohe Monument stammt etwa aus dem 5 Jh.v.Chr., der Monolithpfeiler (also aus einem Stück) ist 5,34 m hoch. Wie auch immer, wer mehr wissen will kann einfach nach "Harpyenmonument" googeln.

Noch etwas Totenkult:

Derjenige, dem dieses Grab geweiht ist, hat der Welt ein wichtiges Textdokument hinterlassen, in zeitlosem Format, man möchte fast sagen: Nur postscript wäre besser gewesen. Die Reliefs dieses ursprünglich 11 meter hohen Pfeilergrabs sind im Museum in Istanbul. Die Zeilen sind in griechisch und einem alten lykischen "Dialekt" verfasst (Sprachwissenschaftler wissen, dass Dialekte nur gesprochen, nicht aber geschrieben werden können). Die 12 Zeilen lange Inschrift auf der Nordseite fasst die Lage zusammen:
"Der Sohn des Harpagos rühmt sich, viele Städte in Schutt und Asche gelegt, sieben arkadische Hopliten (Soldaten mit Schild) an einem Tag getötet, mehr Siegeszeichen als jeder andere Mann errichtet zu haben und in seiner jugend ein siegreicher Ringer gewesen zu sein."
Mit anderen Worten:Ein echter Mädchenschwarm.
Müsste um 430 v.Chr. gewesen sein.


Pflanzenbewuchs in der Nähe des Theaters:



Des steht da immer noch !



Ein Blick auf

Patara



Ja. Auch da gibtsn Theater.



Auch hier wird ausgegraben.


Das war aber mein ungefähr 300stes Bild an dem Tag, und Patara gibt nichtsoviel her wie Letoon oder Xanthos, das war jedenfalls mein Eindruck. Aaaaber: Die haben ein schönes Tor, und das benutze ich jetzt nicht als Eingang, sondern als Ausgang: